CyberMentor: Sind Frauen die besseren Mathematiker?

Gepostet am: 07. März 2019

Es ist eine Frage, die seit vielen Jahren immer wieder zu Konflikten führt: Können Jungs wirklich besser rechnen als Mädchen? Und können nur Jungs tollen Programmcode schreiben? Pisa-Tests der OECD untermauern diese Vermutungen in Deutschland jedes Jahr erneut. Ich selbst wurde während meines Mathematikstudiums nur allzu oft von Familie, Freunden und Mathematikprofessoren (!) mit der Sorge konfrontiert, „das sei doch nur etwas für Männer“. Nicht zuletzt, weil man auch im Jahr 2019 in jeder Mathematikvorlesung mehr männliche als weibliche Köpfe zählt. Aber ich konnte diese Vermutungen zumindest für mich selbst widerlegen und engagiere mich inzwischen bei CyberMentor, der MINT-Plattform nur für Mädchen. Denn wenn ich eins in den letzten Jahren für mich gelernt habe, dann, dass Frauen die besseren Mathematiker sind 😉

Fehlende Motivation für MINT-Mädchen

Doch wieso beginnen so wenige Mädchen eine MINT-Ausbildung oder ein MINT-Studium (MINT = Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik)? Warum gibt es so wenige Frauen in der IT und anderen MINT-Berufen? Fehlende weibliche Vorbilder sind mitunter eine Ursache dafür. Junge Frauen streben MINT-Berufe gar nicht erst an, weil sie nicht wissen, ob sie es können. Schon während der Schulzeit fangen Mädchen an, sich hinten anzustellen – in der Regel vollkommen unbewusst. Liegt es also am Mathematiklehrer, der allen Schülerinnen einredet, sie könnten keine Mathematik und Programmieren sei doch sowieso nur etwas für Jungs? Ja, vielleicht.

Aber liegt es nicht in der Verantwortung von uns allen, Mädchen für MINT-Themen zu motivieren und zu begeistern, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben, sich später für einen MINT-Beruf zu entscheiden? Mädchen werden zu wenig bis gar nicht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik motiviert. Beispielsweise „In Mathe war ich Deko“-Mädchen-Shirts setzen dann noch einen drauf und führen eine Demotivation der Mädchen herbei. Zusätzlich fördern sie ein Gesellschaftsbild, in dem es selbstverständlich ist, dass Mädchen nicht gut in Mathematik sind. Warum soll sich eine junge Frau für Mathematik und IT interessieren, wenn es ihr schon von klein an nicht zugetraut wird? So ein Verhalten ist fatal und resultiert in einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Eine Studie der AllBright Stiftung belegt, dass Männer eher Männer bevorzugen und fördern – ganz einfach, weil sie sich leichter in ihnen wiedererkennen. Genau dieses Phänomen gilt aber auch für Frauen. Was können Frauen also für Mädchen tun, um MINT interessant zu machen? (Das heißt natürlich keineswegs, dass sich Männer aus der Verantwortung ziehen sollten, auch wenn dies ein Appell an alle Frauen ist.)

E-Mentoring von Frauen für Mädchen

Zum zweiten Mal bin ich nun Mentorin bei CyberMentor, einem E-Mentoring-Programm für Schülerinnen. Das deutschlandweite Programm wird seit 2005 von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, sowie von der Universität Regensburg durchgeführt. Seit dem Jahr 2008 wird es vom Europäischen Sozialfonds, sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, mit dem Ziel das Interesse und die Beteiligung von Mädchen am MINT-Bereich zu steigern. Schülerinnen erhalten eine persönliche Mentorin, die entweder beruflich in MINT tätig ist, oder gerade ein MINT-Studium absolviert.

Das CyberMentor Jahr gliedert sich in vier Phasen:

  1. Bei MINT im Alltag lernen Mentee und Mentorin sich kennen und beantworten gemeinsam spannende Fragen aus dem MINT-Alltag.
  2. Bei MINT aktiv können Mentee und Mentorin gemeinsam oder in einer Community ein kleineres MINT Projekt durchführen.
  3. Bei MINTeinander können kleine Communities gemeinsam an einem größeren, interdisziplinären Projekt teilnehmen.
  4. Bei MINTblick wird gemeinsam auf das vergangene CyberMentor-Jahr zurückgeblickt.

Schon zum zweiten Mal tausche ich mich mit einer Mentee regelmäßig über einen MINT-Alltag, Karrierechancen, Informationen zu wissenschaftlichen MINT-Themen, und allen anderen Themen, die sie interessieren, aus. Das Programm schafft einen Rahmen für individuellen Austausch sowie tolle Ideen für gemeinsame kleine Projekte, die man nach Belieben durchführen kann. Beispielsweise hat meine erste Mentee die Gelegenheit genutzt, sich in einem Projekt über berühmte MINT-Frauen zu informieren, und dazu ein kleines Bild nach gewissen Vorgaben erstellt, das später dann im CyberMentor-Login-Bereich erschienen ist:

Außerdem kann jede Teilnehmerin einen Steckbrief anlegen. Es existiert eine Datenbank für Berufe von Mentorinnen für Mentees, und verschiedene Themenchats werden live durchgeführt. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, kann allein, zu zweit oder in einer Community an unterschiedlichen Wettbewerben teilgenommen werden. Darunter fallen Bundeswettbewerbe, internationale Olympiaden oder Coding Challenges. Je nach Interesse und Wünschen der Mentee gestaltet sie sich dann ein spannendes Jahr, in dem ich sie unterstütze, wo ich kann.

Warum ich CyberMentor unterstützenswert finde

Ich bin sehr dankbar dafür, dass mich während der Schulzeit eine Lehrerin in Mathematik unterrichtet hat. Sie war meine erste Mentorin, mein weibliches MINT-Vorbild. Ohne sie hätte ich mich vermutlich nie dazu entschlossen, ein Mathematik-Studium zu beginnen. Denn sie hat mir bewiesen, dass auch Frauen „rechnen können“. CyberMentor ist für mich eine wundervolle Möglichkeit mit wenig Aufwand wertvolle Erfahrungen weiterzugeben und direkt etwas zu bewirken. Es ist ein persönliches und individuelles Programm, das Vertrauen schafft und Spaß an MINT-Themen entfacht.

Sind Frauen nun die besseren Mathematiker? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es gibt zumindest keinen logischen Schluss, weshalb Frauen mit der richtigen Motivation schlechter sein sollten als Männer. Jedoch wird kein adäquates Maß diese Frage eindeutig beantworten und letztendlich ist es auch nicht wichtig. Wichtig ist aber, dass die MINT-Welt diverser wird, denn jedes homogene Team ist langweiliger als ein diverses.

Openmoji im Artikelbild CC BY-SA 4.0

Am 12. Juni spreche ich auf unserem Meetup in Hamburg mit einer Kollegin über Zeitreihen und Chatbots. 

2019-05-08T19:32:39+00:00