Google I/O 2016: Zusammenfassung & Podcast

Vom 18. bis 20. Mai fand in Mountain View die Google I/O 2016 statt. Das Wochenende ließ genug Zeit zu reflektieren und zu analysieren, welche Ankündigungen der Entwicklerkonferenz relevant waren – und genau diese fassen wir in unserer Übersicht zusammen. Die besonders diskussionswürdigen Ankündigungen besprechen wir zudem in einem Sonder-Podcast.

Podcast

Vorab sei an dieser Stelle der Verweis auf unseren Podcast gegeben. Collin, Dominik und ich besprechen in einer knappen halben Stunde die Themen VR, Android Auto, Android-Apps für Chrome OS und Instant Apps im Detail. Viel Spaß!

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Google Assistant

Google ist davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz das next big thing ist. Mit dem Google Assistant stellt das Unternehmen daher einen KI-gestützten Assistenten vor, der seinen Weg gleich in mehrere Anwendungen finden wird: In Google Now sorgt er durch Text- und Sprachsuchen für bessere Ergebnisse und in Google Home, einem sprachaktivierten smarten Lautsprecher (ähnlich Amazons Echo) mit Integration für verschiedene Heimautomatisierungsstandards, für natürlichsprachliche Dialoge.

Der Google Assistant soll noch im Herbst verfügbar werden, vermutlich zeitgleich mit Google Home.

Allo & Duo

Auch Googles neue Messaging-App Allo wird als Schnittstelle zum Assistant dienen. Hier soll er dabei helfen, Sprachverläufe und Fotos zu analysieren und passende Antworten bereitzustellen, um dem Nutzer das Tippen zu ersparen. Außerdem ist er im direkten Dialog erreichbar – ähnlich Facebooks Messenger-Bots – um verschiedene Aufgaben wie Restaurantreservierungen durchzuführen oder Tickets zu buchen.

Komplementiert wird Allo durch Duo, eine Videochat-App für 2 Teilnehmer. Duo soll sich dadurch von der Konkurrenz abheben, dass die anrufende Partie schon vor dem Annehmen des Gesprächs einen Blick auf den Anrufer werfen kann, um die Situation des Gesprächs einzuschätzen.

Beide Messenger werden (zunächst) nur für Mobilgeräte mit iOS und Android verfügbar sein und zur Nutzeridentifizierung lediglich die Telefonnummer, keinen Google-Account, benötigen. Offenbar positioniert man sich mit dieser Mobile-First-Only-Strategie also gegen den Platzhirsch WhatsApp. Google Hangouts und Messenger (SMS) werden parallel weiterexistieren.

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Google Play Store für Chrome

Für die nähere Zukunft relevant ist die Integration des Google Play Stores in Chrome OS. Damit werden Millionen Apps mit einem Schlag für Googles leichtgewichtiges Betriebssystem verfügbar, dem bisher ausgerechnet ein Mangel an verfügbaren Anwendungen vorgeworfen wurde.

Schon seit einiger Zeit hält sich das Gerücht, dass beide Systeme – Chrome und Android – früher oder später fusionieren würden. Mit der Integration von Android-Apps wird dieser Schritt allerdings überflüssig.

Die Integration erfolgt dabei nicht wie in bisherigen Experimenten gezeigt über die Android Runtime for Chrome (ARC), sondern über Container. Diese stellen der App jeweils ein abgespecktes Android-Framework zur verfügung, sodass selbst mit dem NDK in anderen Sprachen als Java entwickelte Apps – vor allem 3D-Anwendungen und Spiele – problemlos auf Chromebooks laufen sollten.

Android N

In umgekehrter Richtung übernimmt Android dafür das Update-Modell von Chrome. Das heißt, dass zukünftig 2 Systempartitionen parallel auf dem Dateisystem existieren. Steht ein Update an, wird dieses im laufenden Betrieb im Hintergrund heruntergeladen und auf der 2. Partition installiert. Beim Neustart bootet Android dann einfach in die 2. Partition – lange Wartezeiten beim Installieren von Updates und das anschließende optimieren von Apps entfällt so auf Kosten eines etwas höheren Speicherbedarfs. Aufgrund der nötigen Neuformatierung wird dieses System allerdings nur auf Geräten funktionieren, die mit Android N ausgeliefert werden.

Ein Feature das mit Android N eingeführt wird, aber sogar bis 4.1 Jelly Bean Rückwärtskompatibel ist, sind Instant Apps. Schon heute sind Deep Links auf verschiedene Activities in Anwendungen möglich – wenn die entsprechende Anwendung installiert ist. Zukünftig entfällt diese letzte Bedingung allerdings: Dann lädt Android die entsprechende Activity (und nur diese) automatisch herunter, kompiliert und öffnet sie. Welchen Vorteil – abgesehen von etwas besserer Performance – Instant Apps gegenüber guten Web Apps haben, ist allerdings noch nicht erkennbar.

Ermöglicht werden Instant Apps unter anderem von einem neuen JIT-Compiler, der installierte Anwendungen – oder Teile von Anwendungen – noch schneller kompilieren kann. Dieser ergänzt den Ahead of Time (AOT) Compiler, den die Android Runtime (ART) bisher verwendet.

Eine neue dateibasierte Verschlüsselung ersetzt zukünftig die blockbasierte Verschlüsselung. Dies ist etwa für das Direct Boot Feature notwendig, um wichtige Systembenachrichtigungen wie Wecker zur Verfügung stellen zu können, ohne dass das komplette System entschlüsselt wird; etwa wenn sich das Smartphone in der Nacht unerwartet neu startet.

3D-Anwendungen werden von der kommenden Version Android N profitieren, die die Grafikschnittstelle Vulkan unterstützt. Diese ist effektiver als der momentane Standard OpenGL und dürfte auch bei schwächerer Hardware für ansprechende Darstellung sorgen.

Nicht zuletzt wird die bessere 3D-Leistung maßgeblich zum erfolg von Daydream beitragen, Googles Virtual-Reality-Plattform. Diese ist in Android N integriert und erlaubt es Smartphones mit entsprechend hohen und kompatiblen Spezifikationen, als Kern der VR-Erfahrung zu dienen. Auch für die benötigten Head Mounts und Controller wird Google Mindestanforderungen sowie Referenzdesigns veröffentlichen, die das Prädikat Daydream Ready tragen werden. Das Unternehmen schafft so eine offene, flexible Plattform, statt mit einem geschlossenen Produkt gegen die Konkurrenten Facebook (Oculus Rift) und Samsung (Gear VR) anzutreten.

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Android Wear 2.0

Googles Betriebssystem für Wearables, allen voran Smartwatches, wird mit Android Wear 2.0 ein grundlegendes Update erhalten. Dieses wird verstärkten Fokus auf Standalone Apps legen, die auch ohne Verbindung der Uhr mit dem Smartphone funktionieren sollen. Außerdem wurden Darstellung und Navigation überarbeitet, um die Informationsdichte auf dem Bildschirm zu erhöhen und schnelleren Zugriff auf wichtige Funktionen zu gewährleisten – beide Punkte sicherlich vom Start der Apple Watch im letzten Jahr inspiriert.

Als neue Eingabemethoden für Antworten auf Benachrichtigungen steht nun tatsächlich eine Mini-Tastatur zur Verfügung, die allerdings mehr auf intelligente Textvorhersage setzt als auf exaktes Tippen. Alternativ wurde die Handschrifterkennung für Emoji nun auf Text ausgeweitet; ein scrollendes Textfeld sorgt hier für mehr Platz für Zeichen.

Auch Ziffernblätter wurden dynamischer gestaltet. So existiert nun eine API für Komplikationen, mit deren Hilfe jede App Inhalte auf jedem Ziffernblatt darstellen kann.

Android Auto

Auch der Android-Ableger für Autos wird in absehbarer Zeit ein wichtiges Update erhalten. Mit diesem kann das Interface, das bislang per Kabel oder WLAN nur auf kompatible Autos übertragen wurde, auch als App auf dem Smartphone-Display angezeigt werden. Dieser Schritt löst die Anwendung vom Integrationswillen der Autohersteller und macht sie auch für Besitzer älterer Fahrzeuge verfügbar.

Außerdem hat Google mit Android Automobile eine experimentelle Variante des Betriebssystem vorgestellt, die speziell auf Fahrzeuge mit großen Displays und digitalen Kontrollelementen abgestimmt ist. Diese bietet einen Splitscreen-Modus für Unterhaltung und Navigation und kann Fahrzeugfunktionen wie die Klimaanlage steuern.

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Project Ara

Lange war es still um Project Ara, Googles modulares Smartphone, auch bekannt als Phoneblocks. Schon im vergangenen Jahr sollte ein Feldversuch stattfinden, der allerdings nie zustande kam. Inzwischen hat sich die Ausrichtung von Ara etwas geändert, sodass Display, SoC, Grafikeinheit und Antennen fest verbaut sein werden, während Akku, Kamera und weitere Peripheriegeräte ausgetauscht werden können. So geht zwar der ursprüngliche Gedanke der Wiederverwertbarkeit verloren, dafür schafft Google allerdings eine weitaus realistischere Plattform für spezialisierte Hardware, die bislang nur in dedizierten Geräten mit ihren eigenen Schwächen zu finden war – etwa medizinisches Gerät oder Handwerksbedarf.

Mit der Ankündigung, die Entwicklerhardware noch in diesem Jahr zu veröffentlichen, verabschiedet Google Project Tango aus seiner Abteilung Advanced Technologies and Projects (ATAP) und gibt es in die Obhut von Ex-Motorola-Chef Rick Osterloh, der inzwischen für Googles Hardware verantwortlich ist.

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