Logos für Product Discovery, Design und Scrum ergeben gute User Experience

User Experience: Wie wir mit Product Discovery, Design und Scrum Software entwickeln, die unsere Nutzer:innen lieben

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Seit der Veröffentlichung des agilen Manifests 2001 hat sich in der Software-Entwicklung vieles verändert. Lange Entwicklungszyklen wurden durch kurze Iterationen ersetzt und jährliche Releases wurden von einer Continuous Delivery abgelöst. So wurde es möglich, frühes und regelmäßiges Nutzerfeedback in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen.

Aus unserer Sicht ist es jedoch essentiell, die Nutzer:innen schon vor der ersten Zeile Code einzubeziehen. In den letzten Jahren haben uns diverse Denkschulen (u.a. Design Thinking, User-centered Design, Jobs to be Done, Lean Startup) unzählige Werkzeuge an die Hand gegeben, den Product Discovery Track weiterzuentwickeln. Der Ausgangspunkt ist schon lange nicht mehr die HiPPO (Highest Paid Person’s Opinion), sondern ein differenziertes Verständnis der Probleme unserer Zielgruppe, für die wir gemeinsam Lösungen entwickeln.

Die Struktur und die Methoden

Die Verflechtung des Discovery & Design Tracks mit der Delivery wurde in Konzepten wie dem Dual Track Scrum festgehalten.

Prozessdarstellung des Dual Track Scrum

User-Centered Analysis

In unseren Projekten nehmen wir so früh wie möglich Kontakt zu den Endanwender:innen auf. Im Idealfall startet der Prozess mit einer Analyse der Nutzer:innen-Bedürfnisse: Was ist die größte Herausforderung oder der größte Wunsch? Was ist der Problemkontext? Welche Zielgruppen gibt es? Was is die gewünschte User Experience? Für diese Analyse eignen sich besonders qualitative Methoden, wie z.B. User Interviews, um das zugrundeliegende „Warum“ und vorhandene Zusammenhänge zu beleuchten.

Letztes Jahr haben wir bei einem Projektbeginn ein User Shadowing mit User Interviews kombiniert, um einen abteilungsübergreifenden Prozess grundlegend zu verstehen.

Wie der Name „User Shadowing“ andeutet, haben wir unsere Nutzer:innen einen Tag lang wie einen Schatten durch ihren Alltag begleitet. Dabei sind uns besonders die „kleinen Dinge“, die man sonst schnell übersieht, aufgefallen, wie beispielsweise die Zettel am Monitor mit Abkürzungen oder vorhandene Farbcodierungen im System. Diese und weitere Hinweise haben uns auf bestehende Gewohnheiten sowie Schwachstellen im vorhandenen System hingewiesen.

Mit Hilfe unserer Studie haben wir bestehende fachliche Anforderungen sowie die dazugehörigen Herausforderungen analysiert, welche sich zwischen den unterschiedlichen Nutzer:innen-Gruppen stark unterschieden.

In einem User Story Mapping Workshop haben wir gemeinsam mit den beteiligten Endanwender:innen einen neuen Prozess skizziert. Dieser Prozess berücksichtigte dabei die Anforderungen aller Nutzer:innen-Gruppen, reduzierte Doppelarbeiten im System und automatisierte manuelle Schritte. Die Beteiligung der Nutzer:innen war bereits in dieser frühen Phase essentiell, da im Dialog weitere Anforderungen zum Vorschein kamen, zusätzliche Stakeholder identifiziert wurden und implizites Wissen aufgedeckt wurde. Zudem wurde durch die aktive Mitgestaltung des neuen Prozesses die Akzeptanz bereits vor der Implementierung gestärkt.

Discovery & Design Track

Der grundlegende Workflow sowie die gemeinsam erarbeiteten Ideen wurden daraufhin inkrementell in ein Design eingearbeitet und iterativ auf Basis von Feedback weiterentwickelt. Nachdem die übergreifenden Entscheidungen getroffen waren (z.B. Farben, Layouts, Schriftarten), wurden die Workflows sukzessive erweitert.

Nach einem Monat sind wir mit einem User Experience Prototyp (u.a. Sketch, Adobe XD, InVision) ins Usability Testing gestartet, um unsere Lösung mit Endanwender:innen zu testen. Den Usern wurde eine konkrete Aufgabe gestellt, die sie ohne Hilfestellung im neuen System lösen mussten. Infolgedessen wurde beispielsweise ersichtlich, dass zwei Grafiken irreführend oder Hilfetexte nicht eindeutig genug formuliert waren. Zudem kam der Wunsch nach neuen Funktionalitäten auf, welche bislang nicht zur Sprache kamen.

Das Feedback unserer Entwickler:innen ist ebenfalls von großer Bedeutung, um technologische Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und um wichtige, technische Entscheidungen an der Fachlichkeit auszurichten (z.B. architekturelle Entscheidungen, Programmiersprache). Daher beziehen wir unsere Entwickler:innen regelmäßig in User-Workshops mit ein.

Jedoch ist die Identifikation technologischer Herausforderungen nicht der einzige Grund, unsere Entwickler:innen frühzeitig abzuholen. Ein anderer, großer Mehrwert eines fachlichen Verständnisses sind konstruktive Vorschläge, wie man ein fachliches Problem technologisch lösen kann. Dies können Kleinigkeiten sein, wie beispielsweise der Austausch eines Freitextfelds gegen ein Dropdown, um später z.B. eine strukturierte Auswertung der Antworten zu ermöglichen. Es können aber auch komplexere Feature-Gestaltungen sein, die an der Schnittstelle zwischen Nutzer- und Technologieverständnis entstehen.

Development & Deployment Track

Während der Entwicklung sind alle Stakeholder (u.a. Nutzer:innen) zu den Scrum Review Meetings eingeladen, um dort Feedback zum aktuellen, implementieren Stand und den geplanten nächsten Schritten zu geben. Das Feedback wird vom Product Owner entsprechend priorisiert. Oftmals erleben wir, dass nach aktiver Nutzung und Tests der Software, weitere Anforderungen und Wünsche aufkommen, an die vorher niemand gedacht hat. Aber nur durch dieses kontinuierliche Feedback kann eine Software sinnvoll weiterentwickelt und feingeschliffen werden, sodass ein größtmöglicher Mehrwert entsteht.

Beispielsweise haben wir nach Implementierung des Farbschemas gemerkt, dass diese auf den eingesetzten Bildschirmen anders zur Geltung kamen als im Design und für einen schnellen Überblick nicht kräftig genug waren. Hier wurde eine Anpassung im folgenden Sprint vorgenommen um die User Experience zu verbessern.

Während der Development & Deployment Track voranschreitet, werden zukünftige Workflows und Feature-Wünsche im Discovery & Design Track evaluiert, sodass man das Richtige baut, bevor man es richtig baut. In der Praxis bedeutet das, dass Discovery & Design parallel zur Delivery als fortlaufende, nicht einmalige Aktivität laufen.

Unser Mindset für erfolgreiche Projekte

Für uns ist es wichtig, dass wir unsere Nutzer:innen glücklich machen. Um den Fokus auf ihre Bedürfnisse und Wünsche stets im Auge zu behalten, folgen wir mitunter diesen Grundsätzen.

1. Wir starten mit dem Problemverständnis, nicht mit einer konkreten Lösung.

Nach einem ersten Gespräch mit den Nutzer:innen ist es oft verlockend, direkt in die Lösungsfindung einzusteigen, mit dem Ziel, ein Problem schnell zu lösen. Jedoch zeigt uns unsere Erfahrung, dass es sich lohnt, ein wenig mehr Zeit mit dem Problem zu verbringen. Oftmals gibt es nicht “das eine” Problem, sondern es gibt viele Baustellen. Es ist daher essentiell, die wichtigste(n) Herausforderung(en) zu identifizieren, bei deren Lösung der größte Mehrwert entsteht.
Zudem ist nicht jedes Problem für jede Zielgruppe gleich bedeutend. Daher ist es wichtig zu verstehen, wer sich was wünscht und warum, bevor man einen Startpunkt festlegt. Hat man ein wichtiges Problem identifiziert, sollte man dieses in seine Komponenten (z.B. Ursachen, Folgen) zerlegen. Hierbei gilt es herauszufinden, ob man den Kern der Sache bereits erfasst hat oder ob man eine Folgewirkung dessen verbessert.

2. Wir sind offen für Feedback und Veränderungen.

Um einen Design-Entwurf zu erstellen, treffen wir jeden Tag unzählige, kleine Entscheidungen. Je mehr Zeit wir mit einer Lösung verbringen, je mehr Feedback wir bereits eingearbeitet haben, desto größer wird die Gefahr, dass wir feste Präferenzen bilden und Alternativen ausblenden. Jedoch gibt es nicht die beste, sondern viele gute Lösungen. Egal wann uns Feedback oder bislang nicht bedachte Anforderungen erreichen, sind wir offen für Anpassungen.

3. Wir etablieren eine konstruktive Fehlerkultur.

Die Etablierung neuer Dinge erfordert auch den Mut, Fehler offen zuzugeben und als Gelegenheit des Lernens zu betrachten. Obwohl wir natürlich anstreben, ohne Umwege direkte Mehrwerte zu schaffen, zeigt die Erfahrung, dass hin und wieder ein Fehltritt notwendig ist, um ans Ziel zu kommen.

Besonders bei sehr innovativen Projekten sind auch einige Experimente notwendig und diese sind, per Definition, ergebnisoffen. Oftmals gibt es für ein Problem viele Lösungsansätze. Hierzu muss man unter Umständen ein paar Schleifen drehen, um herauszufinden, welcher Ansatz (oder welche Kombination) am besten passt.

4. Der Weg zur Agilität ist ein Prozess.

Agilität ist für uns – neben der Arbeitsweise – vor allem ein Mindset: iterativ entwickeln, Feedback einholen, aus neuen Erkenntnissen lernen und direkte Mehrwerte schaffen. Daher erwarten wir nicht, dass vom ersten Tag an alle in der Organisation bereits die Arbeitsweise und das zugrundeliegende Mindset verinnerlicht haben. Es gibt bestehende Prozesse, Strukturen und Regeln, welche über Jahrzehnte gereift sind und sich bewährt haben. Daher ist es umso wichtiger, durch die agile Arbeitsweise schnell kleine Erfolge zu erzielen, um durch Ergebnisse zu überzeugen und immer mehr Befürworter:innen in seinem Umfeld für Agilität zu finden. Wir begleiten den Prozess zu einer agilen Organisation gerne und zeigen, wie durch nutzerzentrierte Softwareentwicklung Produkte und Prozesse entstehen, die unsere Nutzer:innen lieben.

Wrap Up

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir gemeinsam, nicht nur für, sondern mit unseren Nutzer:innen lernen und Lösungen weiterentwickeln. Wertstiftende Produkte & Prozesse entstehen, wenn die Nutzer:innen stets im Fokus der Entwicklung sind, wir kontinuierlich Inkremente liefern und schnell und gezielt Feedback einsammeln und dieses zeitnah und zielgerichtet einarbeiten.

Die agile und nutzerzentrierte Denkweise basiert auf dem kontinuierlichen, aktiven und iterativen Lernen mit Fokus auf den Nutzungskontext und den Bedürfnissen der Anwender:innen. In einer sich schnell verändernden Welt und einer stets voranschreitenden Technologie, ist es das Mindset, das nachhaltig hilft wertvolle Produkte und Prozesse zu realisieren und unseren Nutzer:innen zu helfen und sie glücklich zu machen.

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