Wie man Vertrauen im Unternehmen schafft & warum es Arbeit einfach besser macht [Meetup Q&A]

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Bei unserem Meetup „Wie man Vertrauen im Unternehmen schafft & warum es Arbeit einfach besser macht“ gab es aus dem Publikum viele interessante Fragen, die wir euch hier nochmals ausführlich beantworten möchten:

Q: Wie geht ihr mit Überstunden im Projektgeschäft um?

A: Wer bei uns mit einer Vollzeitstelle einsteigt, arbeitet 40 Stunden pro Woche. Bei Teilzeitstellen wird die wöchentliche Arbeitszeit individuell abgestimmt. Natürlich kann es im Projektgeschäft immer mal wieder dazu kommen, dass zeitweise Überstunden anfallen. Uns ist allerdings sehr wichtig, dass dies nicht über einen langen Zeitraum der Fall ist und jede:r Mitarbeiter:in mit dem Thema eigenverantwortlich umgeht (z. B. „kurzer Freitag”). Sollte es zu einem wiederkehrenden, größeren Thema werden, ist ein kontinuierlicher Austausch mit dem Teamlead wichtig, um gemeinsam zu schauen, mit welchen Maßnahmen hier wieder die Balance hergestellt werden kann. 

Q: Wie geht ihr beim Recruiting vor, um zu erfahren, dass eine Person in diesen Kontext passt? 

A: In unserem Bewerbungsprozess legen wir großen Wert darauf, neben einem fachlichen Austausch möglichst viel über die Persönlichkeit, die Erwartungen und die Motivation unserer Bewerber:innen zu erfahren. Für die Gespräche nehmen wir uns sehr viel Zeit, um mit unseren Bewerber:innen in einen umfassenden Austausch zu gehen. Wir berichten ausführlich über unsere Kultur und Arbeitswelt und schauen gemeinsam, ob wir gut zueinander passen. 

Q: Wie geht Ihr mit dem Thema Gehalt um? Wer hat in der Hand, wie einzelne Mitarbeiter:innen bezahlt werden?

A: Das Gehalt wird bei uns im Jahresgespräch mit der Führungskraft zusammen beleuchtet. Dabei spielt das Feedback aus dem (Projekt-)Team und von den Kolleg:innen eine große Rolle. Gemeinsam wird dann auf das zurückliegende Jahr geschaut und besprochen, welche gehaltliche Entwicklung sich der oder die Mitarbeitende und der Teamlead vorstellen können. 

Q: Wie werden Ziele fürs Team erarbeitet und im/mit dem Gesamtkontext (z. B. Unternehmen; andere Teams) abgeglichen?

A: Bei der Erarbeitung unserer Ziele und unserer Strategie orientieren wir uns an den Unternehmenszielen, die bei uns von der Strategierunde mit Vertreter:innen aus allen Teams ausgearbeitet werden. Jedes Team schaut sich die Unternehmensziele und die Strategie für das jeweilige Geschäftsjahr an und verfeinert gemeinsam die Aspekte, die in den fachlichen Bereich des Teams fallen. Dabei entstehen Ideen für Maßnahmen, aus denen sich wiederum konkrete Aufgaben für das Team ableiten lassen. Wichtig ist uns, dass die Ausarbeitung der Team-Strategie nicht für das gesamte Jahr „in Stein gemeißelt ist” – in unseren Teams prüfen wir kontinuierlich, ob unser Fahrplan weiterhin erfolgsversprechend ist oder ggf. modifiziert werden sollte. Mindestens einmal pro Quartal gehen die Teams mit der Strategierunde hierzu in den Austausch, um Transparenz zu schaffen, sich Feedback einzuholen und gemeinsam Ideen zu sammeln. 

Q: Wer trifft die Entscheidungen, wenn sich das Team mal nicht einig ist? Es gibt nicht immer einen klaren „Gewinner”, auch wenn man viel diskutiert.

A: Wenn wir im Team diskutieren oder konkrete Entscheidungen treffen, geht es uns niemals darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Wir haben die grundlegende Verabredung getroffen, dass jede Einschätzung, Haltung und auch jedes „Bauchgefühl” zählt und gleichermaßen von allen Team-Mitgliedern ernst genommen und gemeinsam besprochen wird. Sollten wir uns tatsächlich in unseren Diskussionen „im Kreis drehen”, ist es die Aufgabe des Moderators / der Moderatorin des jeweiligen Team-Termins, hierauf hinzuweisen und zu vereinbaren, wie wir mit der Situation umgehen wollen. Unsere Entscheidungen treffen wir nicht mehrheitsbasiert – jede Meinung und vor allem jedes Veto zählt. Wenn es uns nicht gelingt, eine solche Situation gemeinsam aufzulösen, haben wir die Möglichkeit, außerhalb unseres Teams um Support, Moderation oder Mediation zu bitten. In der Regel haben die internen Teams eine mehrköpfige Support-Runde, die sich regelmäßig austauscht und bei solchen „Sackgassen” unterstützen kann. Darüber hinaus haben wir immer auch die Möglichkeit, hierfür ausgebildete interne Coaches um Hilfe zu bitten. 

Q: Wie kann ich Vertrauen aufbauen, z. B. gegenüber meinem Vorgesetzten oder um negative Punkte auch gut anzusprechen zu können? Vertrauen kann leider auch missbraucht werden – wie geht ihr mit „dem toxischen Team-Mitglied” um?

A: Um Vertrauen (wieder neu) aufzubauen, ist es wichtig, in den gemeinsamen Dialog und Austausch zu gehen, unabhängig ob bei Vorgesetzten oder Teamkolleg:innen. Ein offenes, authentisches Gespräch, echtes Interesse, Ehrlichkeit, das Teilen von Herausforderungen und Fehlern unterstützen dabei, Nähe und Vertrauen zu schaffen. Lerne die Person kennen: Wer ist sie? Was sind ihre Hobbies? Was bewegt sie? Welche Gemeinsamkeiten habt ihr? Was unterscheidet euch? Vertrauen aufbauen bedeutet, sich neben der täglichen Arbeit Zeit für die Person zu nehmen.  Gerade bei toxischen Team-Mitgliedern hilft oft ein Perspektivwechsel und ein direkter Dialog zu den problematischen Themen: Warum handelt die Person gerade so, was bewegt sie?

Q: Vertrauen aufbauen ist ein langwieriger Prozess, Vertrauen zerstören geht ganz schnell: Wie geht ihr mit negativen Entscheidungen um, z. B. Kündigungen?

A: Entscheidungen sind ja erstmal nicht generell positiv oder negativ, sondern bekommen für die jeweils beteiligten Personen durch die jeweilige Perspektive und den Kontext diese Färbung bzw. Bewertung. Bei inovex versuchen wir, alle Entscheidungen transparent zu treffen und dabei auch frühzeitig auf Entwicklungen zu reagieren. Eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses kommt z. B. nicht plötzlich aus dem Nichts. Davor gibt es einen langen Prozess, der beim regelmäßigen Tweekly beginnt und bei einer Mediation mit externer Beteiligung enden kann. Auch in anderen Prozessen wie z. B. der Einsatzplanung für unsere Projekte spielt Transparenz eine hohe Rolle, so dass niemand „einfach so” in Projekten landet, die ggf. nicht passen. Wir stärken damit das Vertrauen, da es keine Überraschungen gibt, die nicht nachvollziehbar sind.

Q: Lässt sich Interesse im Sinne der Wertschätzung lernen? Oder bringt das jeder mehr oder weniger mit?

A: Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch ein grundsätzliches Interesse an anderen Menschen mitbringt. Es kann in unterschiedlichen Stufen ausgebaut sein und jede:r kann täglich neue Momente der Wertschätzung in den Alltag integrieren und dazulernen. Bleib dabei einfach authentisch und finde deinen eigenen Weg, um Wertschätzung entgegenzubringen.

Q: Wie erreiche ich für das Thema Verständnis in meinem Team?

A: Hier gibt es kein fertiges Rezept, denn jedes Team hat seine eigene Dynamiken. Du kannst beispielsweise ausprobieren, mit gutem Beispiel voran zu gehen und wertschätzend, authentisch und offen gegenüber jede:m im Team aufzutreten. Ein weiteres gutes Format ist beispielsweise die Retrospektive, in der ihr euer Verständnis und eure Wünsche an das Thema „Vertrauen” gemeinsam besprechen könnt.

Q: Wie kann man Vertrauen in Zeiten von Home Office und Remote-Arbeit stärken?

A: Um Vertrauen aufzubauen, braucht es gemeinsame Erlebnisse und Gespräche. Die kommen im Home Office oft zu kurz und werden vergessen. Daher halten wir es für sehr wichtig, sich neben der Arbeit auch Zeit für Kaffee-Calls, Remote-Spieleabende oder gemeinsame Sporteinheiten zu nehmen. So wächst das Team stärker zusammen und jede:r lernt den/die andere:n noch besser kennen. 

Q: Wie können unterschiedliche Interessen vereint werden (eigenes Unternehmen vs. aktueller Kunde im Falle eines Dienstleistungsunternehmens)?

A: Wir orientieren uns bei solchen Fragen stark an dem Wertedreieck von inovex. Das Dreieck besteht aus Mitarbeiter:innenzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit. Wir versuchen, diese drei Seiten bei Entscheidungen oder bei unterschiedlichen Interessen zu bedenken und ein Verhältnis herzustellen, bei dem keine Seite zu kurz kommt oder bevorzugt behandelt wird. Das hilft uns dabei, die unterschiedlichen Ansprüche zu bedenken und im Idealfall einen Konsens zu finden, der alle Seiten des Dreiecks berücksichtigt.

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