Februar 2020: What’s happening?

Die im vergangenen Monat angesprochene Vorlesung von Lex Fridman zu „Deep Learning State of the Art“ möchte ich heute gerne noch um zwei Aspekte ergänzen. Zum einen hat Elon Musk diesen Monat sogleich ein Zitat aus der Vorlesung für das Recruiting im Autopilot-Team eingesetzt: „At Tesla, using AI to solve self-driving isn’t just icing on the cake, it’s the cake“. Zum anderen hatte Lex Fridman in seiner Vorlesung in einem kurzen Abschnitt das unbeholfene („awkward“) Verhältnis von AI und amerikanischer Politik angesprochen.

Die europäische Variante davon sehen wir aktuell bei der Vorstellung der EU-Digitalstrategie und dem dazugehörigen Weißbuch zur Künstlichen Intelligenz – ein europäisches Konzept für Exzellenz und Vertrauen. Glücklicherweise werden zahlreiche wichtige Punkte angesprochen und im ersten Schritt zur Diskussion gestellt, ohne gleich fertige Entwürfe zu präsentieren.

Im Weißbuch werden interessanterweise viele Hype-Begriffe wie Internet der Dinge, Cloud, Edge Computing, Quantencomputer etc. verwendet, um für eine vertrauenswürdige (europäische) KI mit Nachvollziehbarkeit und Transparenz zu werben. Aber leider wird viel weniger über Offenheit oder etwa gar Open Source gesprochen. Dabei entwickeln sich die spannenden Fragen im Bereich der KI doch derzeit zunehmend von der Perception hin zur Prediction, wobei es zu einer Vielzahl von Interaktionen und der Vorhersage anderer intelligenter Akteure in diesen Szenarien kommt (beispielsweise Kreuzungssituationen beim autonomen Fahren). Standardisierte Prüfverfahren für alle möglichen Fälle werden sich hier nur schwerlich realisieren lassen, abgesehen davon, dass sie auch angreifbar sind, wie wir etwa im Diesel-Skandal gesehen haben.

Die Kooperation und weltweite, offene Zusammenarbeit in der IT Community zu stärken, kommt mir in der europäischen Diskussion daher derzeit etwas kurz. Denn eine Demokratisierung im Einsatz von Deep-Learning-Verfahren durch eine offene Community mit vielen Open Source Frameworks ist im Rückblick auf die Fortschritte der letzten fünf Jahre nicht von der Hand zu weisen. Die gemeinsame transparente Arbeit an einfachen, eleganten und ästhetischen Lösungen muss als Teil der Kultur in der Community verankert sein. Wie sie etwa mein Kollege Matthias Reuter bei den Implementierungen von Ana Tudor im Bereich Web und CSS wiederentdeckt hat: „Da steckt immer so viel Genialität, Eleganz und Einfachheit drin, dass ich nur ehrfürchtig dastehe“.

Herzlichst,

Christian Meder