Juli 2020: What’s happening?

Langsam versuchen wir uns im Umgang mit der Pandemie zu adaptieren. Bemühungen, jetzt einfach wieder zur Lebensweise vor COVID-19 zurückzukehren, scheitern dabei regelmäßig (besonders in den aktuellen Urlauben). Wir befinden uns mitten in einem kollektiven Herantasten an das, was möglich ist. Wir versuchen aus Fehlern zu lernen, die Regeln zu verfeinern, lokaler zu optimieren, die Situation robuster gegen auftretende Hotspots zu machen und selbst bei auftretenden Hotspots Chaos zu verhindern.

Ein Großteil der IT-Technologien kommt bisher deshalb so gut durch die Krise, weil sie diese Prinzipien schon seit Jahren anwenden. Cloud, Web und mobile Apps, moderne IT-Systeme generell, zeichnen sich in ihrer Architektur durch ein besonderes Augenmerk auf Skalierbarkeit, Fehlertoleranz, Robustheit und Härtung gegen Unvorhergesehenes aus. Beispielsweise ist der De-facto-Standard Kubernetes im Cloud-Bereich im Kern ein Extrakt aus über zehn Jahren Erfahrung im skalierenden, ausfallsicheren Betrieb von Containern bei Google.

Daher ist es auch für mich nicht verwunderlich, dass die großen Tech-Firmen, die von diesen Technologien besonders profitieren, in den letzten Monaten so stark gewachsen sind, dass sie einen immer größeren Anteil des S&P-500-Index ausmachen, mehrere bereits über eine Billion Börsenwert besitzen, fast schon wie Staatsanleihen von Anlegern behandelt werden und – berechtigterweise – in Europa und den USA zunehmend kritisch unter die Lupe genommen werden. Nichtsdestotrotz stehen viele Firmen noch am Anfang ihrer Reise in die Cloud. So wie im »Chaos Engineering« IT-Systeme aktiv unter Stress gesetzt werden, braucht es vielleicht auch verstärkt Stresstests für Geschäftsmodelle: Fragen wie z. B. „Was passiert mit meinem Geschäftsmodell, wenn Reisen oder generell die Mobilität um 50 % einbricht?”

Unterdessen gibt es in diesem Sommer einen starken Trend zur Staycation (mit den verschiedensten Tipps zum Urlaub in Balkonien). Aus technischer Sicht empfehle ich ergänzend noch: vielleicht eine neue Programmiersprache lernen oder am Smart Home weiterarbeiten, die Maker-Ecke wieder zu entstauben oder vielleicht doch über erste Erfahrungen im 3D-Druck nachdenken. Denn daraus entsteht dann die nächste Stufe der Automatisierung mit IT-Technologien, die robuste, verteilte und automatisierte Produktion im Internet of Things bzw. die Industrial Cloud. Godspeed.

Herzlichst,

Christian Meder