Juni 2020: What’s happening?

Normalerweise sind dies die letzten Wochen vor einer Sommerpause und wir sammeln langsam die Sommerlektüre zusammen, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Dieses Jahr sind wir alle global bereits Spezialisten im Abstandhalten, weit weg von einem Alltag wie vor einem Jahr noch, und wünschen uns wieder mehr Normalität und weniger ständige Distanz. Aber leider sind wir nicht an diesem Punkt in der aktuellen Pandemie-Situation und müssen weiterhin behutsam und umsichtig sein. Auch die Sommerurlaube werden wohl in den seltensten Fällen gelassene Normalität darstellen.

Da ist es erfreulich, dass die COVID-19 Contact Tracing Apps (ausführliche Übersicht auf Wikipedia) und speziell die Corona-Warn-App in Deutschland eine größere Akzeptanz in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung erfahren hat als vermutet (Geglückter Start – mit Irritationen). Denn Diskussionen und Einwände gibt es viele: von der Einschätzung von Sicherheitsexperte Bruce Schneier, dass Tracing Apps generell sinnlos sind, über Datenschutzbedenken bis hin zu der Frage, ob Apps bei einer freiwilligen Nutzung überhaupt genügend Menschen erreichen.

Zumindest bei der Einführung der Corona-Warn-App konnte nun auch sehr viel positives Feedback verzeichnet werden. Die App wurde als Open Source auf Github von SAP und T-Systems entwickelt, unter Einbindung und in Diskussionen mit der größeren IT Community in Deutschland (Hintergründe auch sehr schön in diesem langen Podcast mit zwei der Entwickler). Die App verwendet die Standard-Contact-Tracing-Schnittstelle der Kooperation von Google (Android) und Apple (iOS), die datensparsam und datenschutzfreundlich entwickelt und verwendet wird. Was – in der Summe – die hohe initiale Zahl von über 10 Millionen Installationen in den ersten Tagen erklärt (kann jede:r für sich im Umfeld bspw. mit dem Tool Covid-Lens List Exposure Notification Services prüfen).

Die Rolle der globalen Apple/Google-Kooperation zur Standardisierung einer Schnittstelle im Betriebssystem ist hierbei auch nicht zu unterschätzen (Coronavirus apps show governments can no longer do without Apple or Google). Stellen wir uns nur für einen Moment vor, das Ausspielen eines Updates zur Einführung der Contact Tracing API wäre auf der Android-Seite über die Hersteller oder Mobilfunk-Provider gelaufen. Unwahrscheinlich, dass das funktioniert hätte, oder?

Ich habe die Corona-Warn-App installiert und bin optimistisch gespannt, inwieweit die App im weiteren Pandemie-Verlauf unterstützen kann. Godspeed.

Herzlichst,

Christian Meder