Mai 2019: What’s happening?

Die Europawahl 2019 hat einmal mehr gezeigt, wie sehr die Digitalisierung des Alltags inzwischen auf der politischen Bühne angekommen ist. Die Wahlbeteiligung und das generelle Interesse, gerade unter den Jüngeren und Erstwählern, war sehr viel höher als bei vergangenen Europawahlen, was sich sicherlich zum Teil auf die zahlreichen Wahlaufrufe auf allen digitalen Plattformen zurückführen lässt. Die Diskussion um das YouTube-Video von Rezo hat auch die Diskussion um den Stellenwert der digitalen Plattformen in der politischen Debatte beflügelt. Oder wie Sascha Lobo in seiner Kolumne schreibt: „Natürlich kann man auch im Jahr 2019 ohne Kontakt zu sozialen Medien sinnvolle Politik machen. Aber nicht ohne Kontakt zur Wirklichkeit.“

Neben den gelegentlichen Nachwehen zu Artikel 13 wird diese Wirklichkeit – insbesondere in Deutschland – zentral geprägt durch die Sorge um den Klimaschutz. Und ist nicht Klimaschutz primär auch ein Informationstechnologie-Thema? Von den Anfängen der „Green IT“ im ressourcenschonenden Lebenszyklus von Geräten und dem verstärkten Einsatz von Videokonferenzen über Smart Home, Internet of Things, Smart Grid und Industrie 4.0 zur Steigerung der Ressourceneffizienz im privaten und industriellen Bereich bis hin zur Cloud für die effiziente Bereitstellung von Rechnerkapazitäten und zur Anwendung von AI für die nächste Stufe der Optimierung?

Aber neben der reinen Erforschung der technischen Möglichkeiten braucht es vor allem auch den (politischen) Willen, diese Veränderungen zugunsten des Klimaschutzes umzusetzen. Es hat zwar einen Hauch von Ironie, aber was Angela Merkel in den vergangenen Tagen den Harvard-Absolventen in ihrer Rede zurief, gilt ebenso an uns Europäer gerichtet: „Freilich, dafür braucht es durchaus Mut. Vor allem braucht es Wahrhaftigkeit gegenüber anderen und – vielleicht am wichtigsten – gegenüber uns selbst. Wo wäre es besser möglich, damit anzufangen, als genau hier an diesem Ort, an dem so viele junge Menschen aus der ganzen Welt unter dem Motto der Wahrheit gemeinsam lernen, forschen und die Fragen unserer Zeit diskutieren? Dazu gehört, dass wir Lügen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht Lügen. Es gehört dazu, dass wir Missstände nicht als unsere Normalität akzeptieren.“

Herzlichst,

Christian Meder