Pixel (XL) im Langzeittest: Frontalangriff auf das iPhone

Schon im Vorfeld ihrer Veröffentlichung sorgten Pixel und Pixel XL – die ersten „Smartphones von Google“ – für Schlagzeilen: Während die tiefe Integration von Software und Hardware nie dagewesene Performance versprachen, sorgten das Design und die hohen Preise der Nexus-Nachfolger für Kopfschütteln. In unserem Test lest ihr, wie sich Pixel und Pixel XL nach einigen Wochen im Dauereinsatz schlagen und ob die Leistung den höheren Preis tatsächlich Rechtfertigt.

Mit dem Pixel und Pixel XL beendet Google in diesem Jahr sein Nexus-Programm, das als Smartphone- und Tablet-Serie für Entwickler konzipiert wurde und sich zuletzt dank Premium-Hardware zu vertretbaren Preisen auch unter Android-Enthusiasten großer Beliebtheit freute.

Doch ändert sich nicht nur der Name, die Pixel-Phones unterscheiden sich in fast jeder Hinsicht von ihren Nexus-Vorgängern: So werden die beiden Geräte – wie schon die Pixel-Chromebooks und das Tablet Pixel C – mit dem Zusatz „by Google“ vertrieben (wenngleich sie von HTC gefertigt werden, dazu später mehr), die Software unterscheidet sich durch eine „Google Experience“ von Stock Android und auch die Preise erinnern mehr an ein iPhone denn an ein Nexus. Im Gegenzug verspricht Google dank stärkerer Kontrolle über Hardware und Software eine bisher unerreicht gute Bedienbarkeit des Android-Betriebssystems im Allgemeinen und der Kamera im Besonderen. Das Pixel-Phone wird in 2 Größen angeboten, wobei sich Pixel und Pixel XL lediglich in ihrer Display-Diagonalen, Auflösung und Akkugröße unterscheiden. Beide Gerätegrößen sind außerdem in den Farbvarianten „Very Silver“ und „Quite Black“ erhältlich.

Der Einfachheit halber wird das Gerät in diesem Artikel lediglich als Pixel bezeichnet, wenn nicht von diesen unterscheidenden Merkmalen die Rede ist.

Auf einen Blick

 

Google Pixel Google Pixel XL
Größe 143,8 x 69,5 x 8,5 mm 154,7 x 75,7 x 8,5 mm
Gewicht 143 g 168 g
Display 5,2” AMOLED (1920 x 1080 Pixel, 441 ppi) 5,5” AMOLED (2560 x 1440 Pixel, 534 ppi)
Chipset Qualcomm MSM8996 Snapdragon 821 (2×2.15 GHz Kryo & 2×1.6 GHz Kryo), Adreno 530
Arbeitsspeicher 4 GB RAM
Speicher 32/128 GB
Farbe Silber/Weiß, Schwarz, Blau/Weiß (Verizon-exklusiv)
Hauptkamera 12,3 MP, f/2.0, 1/2,3″ Sensor, 1,55µm Pixelgröße, EIS, Laser-Autofokus
Frontkamera 8 MP, f/2.4, 1/3,2″ Sensor, 1,4 µm Pixelgröße
Sonstiges Fingerabdrucksensor

Gerätedesign und Verarbeitung

Beim Gerätedesign hat Google deutlichen Wert auf Einfachheit gelegt: Das Gehäuse besteht im Wesentlichen aus einem Aluminium-Body, in den rückseitig oberhalb der Mitte eine Glasplatte eingelassen ist – je nach Gerätefarbe in weiß oder schwarz. Vertikal mittig in dieser Glasfläche liegt der Fingerabdrucksensor Pixel imprint, links oben finden sich von links nach rechts Kamerablitz, Kamera, Laser-Autofokus und ein Mikrofon. Der auffällige Nexus-Schriftzug auf der Rückseite ist beim Pixel einem schlichten G gewichen, abgesehen davon findet sich keinerlei Branding auf dem Gerät. Unterhalb des G unterbricht außerdem ein Plastikstreifen das Gehäuse, unter dem vermutlich Antennen liegen.

Eine untere Ecke des Pixel und Pixel XL

Die Kanten des Smartphones sind leicht gerundet, im Gegensatz zum iPhone zieht sich die Rundung jedoch nicht über den kompletten Geräterand, sondern verbindet lediglich den flachen Rand mit der Rückseite – das Gerät liegt also sicher in der Hand. An der oberen Stirnseite des Gerätes befindet sich – das scheint 2016 erwähnenswert zu sein – die 3,5-mm-Klinkenbuchse, an der unteren der USB-C-Anschluss, flankiert von einem Lautsprecher und einem identisch aussehenden Mikrofon. An der rechten Geräteseite finden sich der geriffelte Power Button sowie die Lautstärkewippe, die beide einen angenehm knackigen Druckpunkt aufweisen, während auf der linken Seite lediglich der Einschub für die Nano-SIM-Karte verortet ist.

Im Gegensatz zu Nexus-Geräten ist bei der weißen Variante des Pixel auch die Front in weiß gehalten. Sie beherbergt über dem Display den Telefonhöhrer, darunter mittig ein Fenster für Licht- und Näherungssensor sowie links oben die Frontkamera. Zu den Rändern hin ist das Glas des Pixel leicht abgerundet, was ihm eine sehr homogene Anmutung verleiht – und ironischerweise einen Halo-Effekt erzeugt, der eine Zeitlang integraler Bestandteil von Apples Designsprache war.

Optisch nimmt das Pixel denn auch Anleihen am iPhone der 6er- und 7er-Baureihe, außerdem aber – das ist besonders an der Front erkennbar – am HTC A9s. Ersteres scheint Absicht in Googles Strategie zu sein, dem Archetypen des Smartphones – der das iPhone nunmal ist – möglichst nahe zu kommen, sodass das Gerätedesign einer Kaufentscheidung nicht im Weg steht. Andererseits ist es geprägt von HTCs Fertigungsmaschinen, die die Teile des Pixel produzieren.

Wenngleich die Verarbeitung des Pixel grundsätzlich gut ist, keinerlei Spaltmaße oder gar wackelnde Komponenten erkennbar sind, zeigen sich bei der schwarzen Variante unserer Testgeräte auch ohne besonderes Strapazieren leichte Absplitterungen am Lack (siehe Bilder). Das sollte bei einem Gerät dieser Preisklasse eigentlich nicht der Fall sein.

Ein weiteres Qualitätsproblem trat beim Test des kleineren Pixel am Fingerprint-Sensor auf. Dieser war zunächst augenscheinlich einwandfrei verbaut. Fährt man mit dem Finger über den Sensorrand nach oben merkt man jedoch, dass eine kleine, haptisch wahrnehmbare Kante zwischen Sensor und der Glasrückseite existiert. Diese war nur auf dem einen Testgerät am oberen Rand des Sensors vorhanden und beeinträchtigt die Benutzung nicht, ist jedoch bei einem Gerät dieser Preisklasse erwähnenswert.

Abgesehen davon liegt das Pixel in beiden Größenvarianten gut in der Hand und macht einen hochwertigen Eindruck, das Design allerdings könnte eigenständiger sein. Gut möglich, dass die 2. Pixel-Generation hier nachlegt, wenn der Name etabliert ist.

Reflexion auf dem Display mit Halo-Effekt

Das Display des Google Pixel

Während das Pixel XL über eine Displaydiagonale von 5,5 Zoll verfügt und mit WQHD (2560 x 1440 Pixel, 534 ppi) auflöst, beschränkt sich das Pixel auf 5 Zoll Diagonale und Full HD (1920 x 1080 Pixel, 441 ppi). Die Displays beider Geräte basieren auf AMOLED-Technologie und nutzen selbstleuchtende Pixel statt Hintergrundbeleuchtung – es gibt also keinerlei Lichthöfe. Qualitativ hat Google hier im Vergleich zum Vorgänger stark nachgelegt, die Displays sind sehr leuchtkräftig und auch bei Sonnenlicht gut ablesbar, auf niedrigen Helligkeitsstufen lässt sich keinerlei Verfärbung (Gelb- oder Rotstich) feststellen.

AMOLED-typisch ist die Farbreproduktion des Displays übersättigt, wer mit den poppigen Farben nichts anfangen kann, kann aber stattdessen über den sRGB-Modus in den Entwickleroptionen eine LCD-typische Wiedergabe simulieren.

Google Pixel XL Kameramodul

Die Kameras

Bei der Präsentation der Pixel-Phones betonte Google die Qualität ihrer Kameras, im DxOMark führten sie bei ihrer Veröffentlichung die Rangliste für Smartphone-Kameras an. Im Pixel kommt dabei – wie schon bei den Vorgängern Nexus 6P und 5X – ein 12,3-MP-Sensor mit 1,55 µm großen Pixeln und f/2.0 Blende zum Einsatz, der besonders unter widrigen Lichtverhältnissen glänzen soll. Aus Platzgründen verzichtet Google auf die Verwendung eines optischen Bildstabilisators, stattdessen koppelt man die Kamera direkt an das Gyroskop, um Bewegungen während der Aufnahme auszugleichen (Electronic Image Stabilization, EIS). Weiterhin werden Fotos von einem eigenen Prozessor des verwendeten Snapdragon 821 SoC verarbeitet, was insbesondere die Aufnahme von HDR+-Fotos ohne Verzögerung ermöglicht.

Auch bei totaler Dunkelheit entstehen gute Bilder Bei Tageslicht macht die Kamera gute Aufnahmen Unter gewissen Bedingungen sind Lens Flares zu sehen Im Dämmerlicht verschwimmen Lichtquellen leicht Kräftige Farben gibt die Kamera gut wieder

Und tatsächlich kann das Pixel beim Fotografieren überzeugen. Bei Tageslicht sind auch kleinste Details noch gut sichtbar und selbst in der Dämmerung entstehen besonders bei der Verwendung von HDR+ scharfe Bilder – dank des dedizierten Fotoprozessors in kürzester Zeit und ohne Verzögerung. Ins straucheln kommt die Kamera lediglich unter Extremsituationen, etwa wenn man HDR+-Fotobursts mit 80 oder mehr Bildern erstellt und hiernach sofort weiterfotografieren möchte.

Videos nimmt das Pixel in 4K bei 30 FPS, Full HD bei 60 oder 120 FPS und HD bei 240 FPS auf. Dabei fällt vor allem die oben beschriebene elektronische Bildstabilisierung (EIS) auf. Diese sorgt im Stillstand für besonders ruhige Bilder, in Bewegung oder bei Schwenks aber für außergewöhnliches nachziehen. Außerdem ist bei ungünstigen Lichtverhältnissen eine grobe Körnung, bedingt durch die hohe ISO, sichtbar, die bei Fotos dank HDR+ und Software Post-Processing nicht erkennbar ist.

Die Frontkamera löst mit 8 MP auf und kann für Videotelefonie in Full HD genutzt werden. Hier entfällt die Bildstabilisierung, die Foto- und Videoqualität ist aber dennoch mehr als ausreichend für ihre Zwecke.

Insgesamt können sich die Kameras des Pixel mehr als sehen lassen – gerade im Vergleich mit seinen Nexus-Vorgängern, die nie für ihre Kameras bekannt waren, aber auch in direkter Gegenüberstellung mit Kamera-Flaggschiffen wie iPhone 7 oder Galaxy S7.
Pixel-exklusiv werden Fotos und Videos übrigens unkomprimiert und in voller Auflösung zu Google Fotos hochgeladen – ohne auf das Speicherkontingent angerechnet zu werden. Gerade bei der Variante mit 32 GB internem Speicher kann so wertvoller Platz für Apps befreit werden.

Android 7.1 Nougat: Die Software des Google Pixel

Das Pixel dient nicht als Flaggschiff eines großen Android-Updates: Version 7.0 Nougat war schon vor Veröffentlichung des Smartphones für einige Nexus-Geräte sowie sowie das LG V20 verfügbar. Stattdessen stellt es die Speerspitze einer neuen nutzer- und produktorientieren Strategie Googles dar, die im Gegensatz zur holistisch-plattformorientierten früheren Strategie erstmals eigene Alleinstellungsmerkmale in den Vordergrund stellt und so mit Android-Lizenznehmern wie Samsung, LG, HTC und anderen direkt konkurriert.

Der Pixel Home Screen Quick Settings für Apps Quick Settings sind aufgeräumter Hilfe-Tab im Einstellungsmenü

Welche Absicht hinter diesem Kurswechsel steht, kann nur gemutmaßt werden. Eine mögliche Erklärung wäre die Stärkung des hochpreisigen Android-Segments, das derzeit von Samsung sozusagen als Alleinherrscher vertreten und geprägt wird, als Konkurrenz zum iPhone.

Das Pixel hebt sich also erstmals nicht nur deutlich von Android OEMs ab, sondern auch vom Open Source Stock Android (AOSP). Dies ist schon beim ersten Blick auf den Startbildschirm ersichtlich, der nun Pixel Launcher heißt. In einer Rückbesinnung auf die Anfangstage des Betriebssystems versteckt dieser alle installierten Apps nicht mehr hinter einem Button, sondern in einer art Schublade, die mit einem Wisch von unten nach oben geöffnet werden kann. App-Icons werden auf dem neuen Launcher (soweit verfügbar) kreisrund angezeigt und erlauben durch langes Gedrückthalten den Schnellzugriff auf verschiedene Aktionen und Einstellungen – ganz ähnlich dem 3D-Touch des iPhones, nur ohne weitere Hardware-Komponente. Der Nutzen dieser Schnellzugriffe variiert von App zu App stark: Während Google Maps etwa mit nur zwei Klicks nach Hause navigieren kann oder die Telefon-App den Schnellzugriff auf Kontakte zulässt, führt die Funktion bei Allo lediglich zum Fenster für neue Konversationen.

Von Chrome OS geerbt hat Android die nahtlosen Updates. Das Smartphone verfügt hierfür über zwei Systempartitionen, von denen nur eine für den aktiven Betrieb vonnöten ist. Anstehende Updates werden nun in die jeweils inaktive Partition heruntergeladen und dort installiert – das Ganze geschieht im Hintergrund und hat keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Beim nächsten Neustart bootet das System nun einfach in die bereits aktualisierte Partition – das zeitaufwändige Optimieren von Apps entfällt (fast) vollständig. Im Gegenzug benötigt Android nun aber mehr Speicherplatz, was besonders bei der kleinen Variante des Pixel mit 32 GB internem Speicher schnell auffällt.

Besonders an Einsteiger richtet sich die integrierte Hilfefunktion, die sich hinter einem entsprechenden Tab der Einstellungen verbirgt. Mit nur einem Klick stellt diese eine Chat- oder Telefonverbindung mit einem Support-Mitarbeiter her, der bei Bedarf per Screen Sharing eventuelle Probleme beseitigen kann.

Optische Überarbeitungen betreffen das Farbschema, das nun nicht mehr in Blaugrau mit türkisfarbenen Akzenten gehalten ist, sondern in sauberem Anthrazit mit Hellblau als Farbe für Highlights. Nicht zuletzt wurden die Quick Settings aufgeräumt und ihr Verhalten bei Taps und Gedrückthalten wurde vereinheitlicht.

Der Google Assistant

Eines der Hauptverkaufsargumente des Pixel ist der Google Assistant, ein KI-basierter virtueller Assistent, der dem Nutzer im Dialog bei der Bedienung seine Gerätes, aber auch bei der Verwaltung seiner Aufgaben und Beschaffung von Informationen behilflich sein soll. Er basiert zu großen Teilen auf den Fähigkeiten von Google Now, soll aber durch den konversationellen Ansatz nun mehr mit Apples Siri, Amazons Alexa und Microsofts Cortana konkurrieren. Diesen voraus hat er allerdings eine gewisse Omnipräsenz, da der nicht nur auf dem Pixel verfügbar ist, sondern durch die Integration in den Messenger Allo potenziell auch auf anderen Smartphones, auf Google Home und zukünftig vermutlich auf Smartwatches mit Android Wear.

Inzwischen witzelt der Assistant auch auf Deutsch Einfache Rechenaufgaben löst der Assistant schnell Der Assistant ist kein Mathe-Ass Kontexte erkennt der Assistant nicht immer richtig

Und während der Assistent durch sein Verständnis für natürlichsprachliche Umschreibungen, kulturelle Referenzen und eine regelrechte Persönlichkeit in US-Reviews geradezu gefeiert wird, bietet er in anderen Sprachen kaum mehr als Google Now vor ihm. Im Gegenteil: Auf manche Anfragen, die Google Now beantworten konnte, liefert er nur das Top-Suchergebnis von Google, in anderen Kontexten verhält er sich geradezu unlogisch. So ist die Division von kleinen Zahlen problemlos möglich, im Millionenbereich wird trotz korrekt erkannter Spracheingabe aber lediglich ein – in diesem Zusammenhang natürlich völlig nutzloses – Suchergebnis zurückgegeben.

Und so bleibt dem Nutzer nur übrig, entweder auf US-Englisch mit dem Assistenten zu sprechen, oder sich mit weniger nützlichen Ergebnissen zufrieden zu geben.

Daydream

Pixel und Pixel XL sind die ersten Smartphones, die offiziell für Googles neue Virtual-Reality-Plattform Daydream zertifiziert sind – sie bieten also die Performance, die Display-Qualität, die Sensoren und die Software, die die Verwendung mit der Daydream-View-Brille erlauben.

Der Daydream Store im 2D-Modus Die stereoskomische Daydream View App

Daydream (nicht zu verwechseln mit Daydream) stellt eine unabhängige Weiterentwicklung von Google Cardboard dar. Statt wie Cardboard einfach per App auf jedem kompatiblen Smartphone installierbar zu sein, ist Daydream tief in Android 7 integriert und ermöglicht so die optimale Nutzung der Hardware-Ressourcen bei minimierter Latenz. Im Gegensatz zu Cardboard bietet Daydream außerdem einen kabellosen Controller, der die Navigation in der virtuellen Realität vereinfacht.

Bisherige Daydream-Anwendungen umfassen etwa YouTube im 360°-Modus, Museumsrundgänge in Google Arts & Culture, diverse Tech-Demos und Spiele vor allem in den Genres Puzzle und Space-Action. Letztere sind vorwiegend kostenpflichtig und fallen vor allem durch ihren vergleichsweise hohen Preis ab 8 Euro auf.

So richtig überzeugen können die Apps allerdings nicht. Sie sind in ihrem Umfang in der Regel recht beschränkt und selbst die High-End-Hardware des Pixel läuft nach etwa einer halben Stunde heiß und kommt ins Stocken. Da die Daydream View mit 70 Euro nicht ganz günstig ist, wäre hier vielleicht etwas mehr zu erwarten gewesen. So eignet sich Daydream lediglich für kurze Ausflüge in die Virtuelle Realität.

Dennoch schafft es Google, eine kohärente VR-Erfahrung zu schaffen. Installierte Anwendungen werde in einem zentralen Hub übersichtlich dargestellt, daneben werden neue Apps vorgeschlagen. Das Besondere: Sobald Daydream einmal aufgesetzt ist, muss der Anwender nicht einmal zum Erstehen neuer Inhalte die Virtuelle Realität verlassen, sondern kann sich bequem mit dem Controller durch einkäufe bewegen.

So kann Google immerhin den Grundstein für Android als VR-Plattform mit eigenem (Teil-)Ecosystem legen – in einer Zeit, in der noch niemand weiß, in welche Richtung sich VR entwickeln wird, ein wichtiger Schritt.

Performance und Akku

Neben dem Fokus auf die Fotografie preist Google vor allem die Performance und Ausdauer des Pixel, die durch die bisher nicht dagewesene tiefe Integration von Software und Hardware möglich wird. Und – soviel sei vorweggenommen – das Pixel überzeugt auch hier.

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Ausgestattet ist das Pixel mit Qualcomms Snapdragon 821 SoC, das über je 2 Kerne mit 2,15 GHz und 1,6 GHz Taktung verfügt. Hinzu kommt die Adreno-530-Grafikeinheit sowie 4 GB RAM – auf dem Papier stimmt die Leistung also.
Ein typisches Problem von Smartphones im Allgemeinen und Android-Geräten im Speziellen ist der mehr oder weniger starke Leistungseinbruch, der nach einigen Wochen der Benutzung einsetzt. Dieser ist zwar ansatzweise auch beim Pixel zu spüren, aber so viel weniger, dass er im Alltag nicht ins Gewicht fällt. Auf dem Homescreen und beim Scrollen durch Apps ist keinerlei (wirklich nicht das geringste!) Lag spürbar.

Entsprechend problemlos lassen sich auch grafikintensive Games auf dem Pixel spielen: Diese unterscheiden sich nur in ihrer etwas längeren Ladezeit von ihren iPhone-Gegenstücken, die Bedienung im Spiel dagegen ist tadellos flüssig.

Lediglich in Ausnahmesituationen wie der oben beschriebenen starken Nutzung der Kamera kann es kurz zu Verzögerungen kommen, die sich in der Regel aber genauso schnell wieder legen wie sie aufgetreten sind. Weiterhin ein Problem (LInk zum N6P-Test) ist das Handoff zwischen WLAN und mobilem Datennetz. Viele Apps verschlucken sich hieran und hängen ohne offensichtlichen Grund. Im Test fiel ausgerechnet Google Play Musik am negativsten auf.

Der Akku des Pixel fasst 2770 mAh, der des Pixel XL 3450 mAh. Damit sind Laufzeiten von 18 Stunden und mehr bei Normalbenutzung keine Seltenheit, und so kommt man mit dem Pixel problemlos auch durch den längsten Arbeitstag.

Insbesondere die Standby-Zeit konnte Google mit Android 7 und dem verbesserten Doze Mode deutlich verlängern. Das hat im Testzeitraum sogar zu einer Verhaltensänderung des Testers geführt: Statt wie gewohnt das Smartphone über Nacht zu laden und erst am Morgen vom Kabel zu nehmen, lädt er das Pixel nun am Abend, nutzt es über Nacht zu Schlaf-Tracking und muss es dennoch erst am folgenden Abend erneut laden.

Das Pixel (XL) im Alltag

Google versucht schon den Umstieg auf das Pixel so einfach wie möglich zu machen: Über ein Adapterkabel können Daten vom Vorgängergerät übertragen werden, unabhängig davon, ob es sich um einen anderen Androiden oder ein iPhone handelt. Das Übertragen von Daten von einem Smartphone auf’s andere war zwar vorher schon möglich, allerdings nur bei vorher aktivierter Sicherung der Gerätedaten und auch dann nur sehr rudimentär.

Dank langer Akkulaufzeit und konstant flüssiger Bedienung eignen sich Pixel und Pixel XL hervorragend als Begleiter im Alltag. Endlich ist es auch mit einem Android-Smartphone möglich, spontane Schnappschüsse in guter Qualität festzuhalten, anstatt mehrere Sekunden darauf zu warten, dass sich die Kamera-App öffnet.

Sollte sich die Akku-Laufzeit doch einmal als nicht ausreichend herausstellen, versorgt der mitgelieferte Ladeadapter das Smartphone in kürzester Zeit wieder mit Energie. Google verspricht durch 15 Minuten laden eine Laufzeit von 7 Stunden, in der Praxis liegt dieser Wert allerdings etwas niedriger.

Einen der größten Kritikpunkte der Vorgänger Nexus 5X und Nexus 6P konnte Google erst kürzlich mit einem Software-Update beheben: Während der rückseitig platzierte Fingerabdrucksensor das Entsperren des Smartphones beim Herausnehmen aus der Tasche sehr bequem gestaltet, macht er dieses etwas umständlicher, wenn das Pixel auf dem Tisch liegt – es hilft nur ein Griff zum Power Button. Inzwischen aber lässt sich der Bildschirm auch durch zweimaliges Antippen aktivieren, um auf die Bildschirmsperre zugreifen zu können.

Macken im Lack des Pixel

Einige Designentscheidungen des Pixel sind allerdings weniger geglückt. So ist das Gerät weder wasserfest noch gegen Spritzwasser geschützt und das gefärbte Aluminium der schwarzen Variante scheint auch unter minimaler Fremdeinwirkung teilweise abzusplittern.

Während die Beschränkung auf einen Lautsprecher auf der Unterseite des Gerätes zwar einen Rückschritt im Vergleich zum Vorgänger Nexus 6P darstellen mag, ist es vor allem dessen Platzierung, die negativ auffällt: hält man das Pixel in der rechten Hand, kippt es, um ein Video im Vollbildmodus zu sehen und hält es weiterhin mit der rechten Hand, bedeckt diese ausgerechnet den Lautsprecherschlitz. Hätte Google zwei Lautsprecher verbaut oder wenigstens die Position von Lautsprecher und Mikrofon vertauscht, gäbe es hier keinerlei Problem.

Fazit: Frontalangriff auf das iPhone mit einigen Makeln

Google lässt keine Zweifel offen: Das Großflächige Marketing, das Streamlinen unter einer Marke und einem einfachen Produktnamen und nicht zuletzt das Design sind darauf ausgelegt, dem erfolgreichsten Smartphone der Welt die Nutzer streitig zu machen. Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Wer das iPhone nicht aus ideologischen Gründen kauft sondern einfach nach einem Gerät mit großem Ecosystem, flüssiger Bedienung und vertrautem Design sucht, ist mit dem Pixel (fast) genauso gut beraten. Es hapert zwar noch etwas an der Verarbeitung und auf lange Sicht sollte das Design wieder eigenständiger werden, aber an den Schlüsselpunkten überzeugt das Pixel: Kamera, Simplizität, Performance. Der prestigeträchtige Preis tut sein Übriges, um Pixel als Marke zu etablieren – ob dieser berechtigt ist und ob sich die Marke behaupten kann, bleibt abzuwarten.

Das Rückseitige Google-Logo

Glücklicherweise büßt Android im Gegenzug nichts von den Qualitäten ein, die Anhänger der Plattform zu schätzen wissen. Das Betriebssystem (und der Bootloader) ist weiterhin offen und flexibel anpassbar und mit Daydream begeht Google weiter innovative Pfade.

Und so sind Pixel und Pixel für all jene Nutzer empfehlenswert, die für sich die hohen Preise rechtfertigen können. Es hapert zwar noch etwas am Feinschliff von Design und Verarbeitung und es gibt interessante Alternativen wie das OnePlus 3(T), das besonders in der Tech-Community wegen seiner nominell ebenbürtigen Leistung bei deutlich niedrigerem Preis empfohlen wird, im Gesamtpaket allerdings bleibt das Pixel (XL) unerreicht.

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