Projekt „Factory-X“
Das digitale Ökosystem
Trotz mehr als eines Jahrzehnts an Digitalisierungsbemühungen im Rahmen der Industrie 4.0 bleiben viele Projekte in der Pilotphase stecken. Eine der größten Herausforderungen ist die Skalierung der gemeinsamen Datennutzung über Unternehmensgrenzen hinweg, ohne dabei die Datensouveränität zu gefährden. Genau hier setzt das Projekt Factory-X an. Als eine zentrale Initiative des umfassenden Manufacturing-X-Programms ist es das Ziel, ein offenes, kollaboratives und branchenweites digitales Ökosystem speziell für Fabrikausrüster und -betreiber zu schaffen.
Das Projekt baut auf den etablierten Grundlagen von Catena-X und den Prinzipien der Plattform Industrie 4.0 auf. Durch eine neue Dateninfrastruktur ermöglicht Factory-X einen sicheren, interoperablen und skalierbaren Datenaustausch, bei dem die Unternehmen jederzeit die volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Mit einem stark anwendungsfallorientierten Ansatz treibt die Initiative die Entwicklung neuer, datengetriebener Geschäftsanwendungen voran und unterstützt so die umfassende Digitalisierung der Lieferketten im europäischen Fertigungssektor.
Autonomous Operation as a Service (AOaaS)
Angesichts von Fachkräftemangel und steigendem Produktivitätsdruck in der Fertigung bietet Autonomous Operation as a Service (AOaaS) einen zentralen Lösungsansatz. Das Kernkonzept besteht darin, den optimalen und hocheffizienten Betrieb von Maschinen und Fabriken zu ermöglichen, ohne dass qualifiziertes Fachpersonal physisch vor Ort anwesend sein muss.
Die technologische Basis für diese interoperable Factory-X-Lösung wird in diesem Teilprojekt (TP 2.07) in drei aufeinander aufbauenden Workstreams entwickelt:
Vernetzte Produktionssysteme: Dieser Workstream legt das Fundament und schafft die Systeme für eine interoperable, herstellerunabhängige Informationsbereitstellung sowie das Management von Softwarekomponenten an der Maschine (Edge).
Prozessmonitoring und -steuerung: Aufbauend auf den Daten aus dem ersten Workstream, fokussiert sich dieser Bereich auf die Überwachung und Diagnose der Prozesse. Hier entsteht das zentrale Remote-Operator-Panel als Nutzungsoberfläche zur Fernsteuerung der Maschine für den Remote-Operator.
Smart remote and autonomous Operation: Der dritte Workstream integriert die Intelligenz. Ein Wissens- und Handlungsmanagementsystem liefert entweder präzise Empfehlungen für den Remote Operator oder nutzt KI-Algorithmen, um Interventionen vollautomatisiert durchzuführen.
Dieses Zusammenspiel ermöglicht es Unternehmen, ihre Betriebszeiten zu erhöhen, flexibel „On-Demand“-Schichten aus der Ferne zu organisieren und dem Fachkräftemangel durch einen standortunabhängigen Expertenpool effektiv zu begegnen.
Remote-Operator-Panel
Das Remote-Operator-Panel ist die zentrale Schnittstelle und Integrationsplattform für den Remote-Betrieb im Rahmen des AOaaS-Konzepts. Es wird in enger Zusammenarbeit aller Konsortialpartner entwickelt, die dabei ihre jeweiligen Schwerpunkte einbringen. inovex steuert dabei Expertise für individuelle Software, Datenintegration und Künstliche Intelligenz bei.
Das Panel bündelt alle für den Remote-Operator notwendigen Daten, Informationen und Funktionalitäten an einem Ort, um eine Maschine oder Anlage effizient aus der Ferne zu steuern und zu überwachen. Dazu gehören unter anderem:
- Live-Maschinendaten
- Schnittstellen zu Kamerasystemen
- Anbindung an das Wissensmanagement
- Verbindung zu ERP-Systemen
- Funktionen zur direkten Fernsteuerung der Anlage
Die Anbindung der verschiedenen Datenquellen erfolgt über den MX-Port, eine branchenübergreifende und standardisierte Schnittstelle, die die nahtlose Interoperabilität innerhalb des Factory-X-Ökosystems sicherstellt.
Eine Schlüsselfunktion des Panels ist das lückenlose Tracking der Aktionen des menschlichen Operators. Diese protokollierten Eingriffe dienen nicht nur der Nachverfolgbarkeit, sondern bilden auch die essenzielle Datengrundlage, um das autonome Betriebssystem zu trainieren.
KI-Agentensystem
Ein zentraler Bestandteil des Remote-Operator-Panels ist das integrierte KI-Agentensystem. Dieses dient als intelligenter Assistent, der den Remote Operator bei seinen Aufgaben aktiv unterstützt.
Die Hauptfunktion des Agentensystems besteht darin, den Zugriff auf verschiedenste, verteilte Ressourcen über die natürliche Sprache zu ermöglichen. Anstatt durch komplexe Menüs navigieren zu müssen, kann der Operator dem KI-Agenten Anfragen stellen, um beispielsweise auf spezifische Maschinendaten oder spezialisierte Wissensagenten (z. B. Empolis-Buddy, Wittenstein-Agenten) zuzugreifen.
Technologisch setzt der Agent auf modernste Ansätze wie MCP (Model Context Protocol) für die flexible Anbindung der diversen Daten- und Servicequellen in Kombination mit dem MX-Port. Dieser gewährleistet die notwendige Interoperabilität und regelt die sichere Auffindbarkeit (Discovery) und Authentifizierung der Dienste innerhalb des Factory-X-Ökosystems.
Projektpartner
smartFactory
Wittenstein
Förderung
Die Projektarbeit wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der Initiative „Manufacturing-X“ bis Juni 2026 gefördert. Als Leuchtturmprojekt zielt „Factory-X“ darauf ab, ein offenes digitales Ökosystem für alle Fertigungsindustrien zu schaffen, um Prozesse zu rationalisieren und neue digitale Geschäftsmodelle zu ermöglichen.